Was sind Web 2.0 Technologien?
Unter dem Begriff Web 2.0 Technologien versteht man vor allem die in den letzten Jahren möglich gewordene aktive Beteiligung privater Benutzer im Internet. War das Internet früher durch einen lesenden Benutzer geprägt, so ist das so genannte Web 2.0 vor allem durch das Prinzip des Mitmachens (Partizipation) gekennzeichnet. Die Benutzer des Internets haben seit einigen Jahren durch neu entwickelte Technologien (z.B. wikis) nicht nur die Möglichkeit Inhalte zu lesen bzw. anzuschauen, sondern sie können auch selber aktiv werden und Inhalte erstellen. Diese Beiträge des Benutzers können zum Beispiel Bewertungen von Fotos, kurze Kommentare zu Artikeln, ein eigenes Internettagebuch (Blog), ein Profil auf einer sozialen Netzwerkseite (z.B. StudiVZ) oder selbst erstellte Videos auf der Plattform YouTube umfassen. Neben und auch durch diese selbst erstellten Informationen ist eine rege Kommunikation der Benutzer untereinander zu beobachten. Dieser Austausch der Benutzer kann für das gemeinsame Lernen genutzt werden.
Was versteht man unter internetgestützte Lernformen?
Lernte man früher vor allem in der Klasse, im Seminar oder im Selbststudium, so ist im Zuge der medialen Entwicklung neben dem Computer auch das Internet für effizientes Lernen im Einsatz. Unter „internet-gestützt“ versteht man hierbei, dass sich der Lerner Inhalte über spezifische Plattformen im Internet zeit- und ortsunabhängig aneignen kann. Die Darstellung der Inhalte kann je nach Zielgruppe angepasst werden, es können Texte, Animationen oder Videos zur Verfügung gestellt werden. Oft wird dies mit Abfragemöglichkeiten und zeitnahem Feedback kombiniert. Ein weiterer Vorteil ist die Kommunikation unter den Teilnehmern, die einen informellen Erfahrungsaustausch ermöglicht, der indirekt auch zu neuer Wissensbildung und möglicherweise zu Innovationen führen kann.
Warum ist das Projekt gerade für die Ernährungsindustrie interessant?
Die Ernährungsindustrie ist immer wieder stark vom Wandel betroffen, wie beispielsweise durch neue Trend, neue Technologien oder sich ändernde gesetzliche Rahmenbedingungen. Die damit einhergehende Herausforderung besteht darin, qualifizierte Fachkräfte zu rekrutieren und weiter auszubilden. So müssen Fachkräfte auch lange nach ihrer Ausbildung immer wieder ihr Wissen und ihre Fähigkeiten erweitern.
Qualifizierungs – und Weiterbildungsmaßnahmen im herkömmlichen Sinne können aber insbesondere im produzierenden Gewerbe (Schichtdienst) oft nur schwer durchgeführt werden. Die Qualifizierung mit Web 2.0 Technologien ermöglicht, dass der Mitarbeiter Inhalte meist orts- und zeitunabhängig selber abrufen aber auch gestalten kann. Durch die Interaktivität, Kommunikation, Vernetzung und mögliche Selbstdarstellung innerhalb der Lernplattform kann die Attraktivität der beruflichen Qualifizierung erhöht werden.
Welche Betriebe sind besonders angesprochen?
Für alle Betriebe, die ihren Mitarbeiter arbeitsbegleitend Weiterbildungsmöglichkeiten bieten wollen, kann das Projekt interessant sein. Die entstehende und von den Mitarbeitern nutzbare Plattform richtet sich an Mitarbeiter aus unterschiedlichen Zielgruppen (Führungskräfte, Teamleiter, Fachkräfte, Arbeiter) daher sind in jedem Betrieb entsprechende Adressaten zu finden. Im Projekt besteht eine Zusammenarbeit mit den Weiterbildungsinstituten KIN, bfw und ZDS, so dass alle Unternehmen, die bereits mit diesen Instituten zusammenarbeiten, besonders profitieren können. Zudem sind natürlich alle Betriebe angesprochen, die sich oft ändernde Rahmenbedingungen anpassen müssen, denn hier kann die Plattform zudem als schnelle und nachhaltige Information- und Weiterbildungsplattform eingesetzt werden.
Wie profitieren die teilnehmenden Unternehmen von dem Projekt?
Die einzelnen Unternehmen gewinnen durch die Teilnahme an dem Projekt eine motivierende und zeitgemäße Qualifizierungsangebote für ihre Mitarbeiter. Denn das Projekt stellt neue Zugänge und Lernformen für die unterschiedlichen Zielgruppen (z.B. Führungskräfte, aber auch geringqualifizierte Arbeitnehmer, Wiedereinsteiger) zur Verfügung. Durch die Orts- und Zeitunabhängigkeit der Lernplattform können die Unternehmen Reisekosten und auch Arbeitszeit für die Weiterbildungsmaßnahmen einsparen. Das Prinzip des „Lebenslanges Lernen“ kann nachhaltig in die Unternehmenskultur eingebunden werden.
Darüber hinaus werden umfangreiche Befragungen zu den Weiterbildungsbedürfnissen der Mitarbeiter durchgeführt, von deren Ergebnissen die Unternehmen ebenfalls profitieren können.
Was sind die Vorteile für die Mitarbeiter?
Die Mitarbeiter können durch die Orts- und Zeitunabhängigkeit des Projektes Weiterbildung berufsbegleitend durchführen. Wir versprechen uns durch die Faszination der Web 2.0 Technologien (Interaktions- und Selbstdarstellungsmöglichkeiten) sowie durch die geplanten Anreizsysteme innerhalb der Plattform, dass die Mitarbeiter dadurch stärker motiviert werden, an einer Qualifizierungsmaßnahme teilzunehmen. Durch eine stärkere Einbeziehung der Mitarbeiter kann die Bindung an das Unternehmen und das Engagement der Beteiligung sowie der Spaß am Lernen gesteigert werden. Für den einzelnen Mitarbeiter wird diese Möglichkeit der Weiterbildung letztlich die Beschäftigungsfähigkeit erhöhen. Langfristig gesehen lassen sich aus der geplanten Analyse der Nutzerdaten gezielt Verbesserungen für die Lehr- und Lernprozesse und Qualifizierungsangebote ableiten, die wiederum in eine angepasste Qualifizierung der Mitarbeiter münden.
Wer sind die Partner im Projekt?
Das Projekt, das aus Mitteln des Bundesministerium für Bildung und Forschung und aus dem Europäischem Sozialfonds der Europäischen Union gefördert wird, wird durch die Universität Duisburg-Essen geleitet. Die beiden Lehrstühle Sozialpsychologie– Medien und Kommunikation und Kooperative und lernunterstützende Systeme (COLLIDE) tragen das Know-how über Lehr-Lernprozesse sowie wissenschaftliche Methoden bei. Bei beiden Lehrstühlen liegt der Forschungsschwerpunkt vor allem auf internetgestützten Lernformen und der Nutzung von Web 2.0 Angeboten. NEW.S e.V. evaluiert das Projekt und stellt die Projektergebnisse dem Fachpublikum und der Öffentlichkeit zur Verfügung. Zusätzlich erfolgt über NEW.S.e.V. die Abstimmung mit den Sozialpartnern. Ferner sind zwei Weiterbildungsinstitute beteiligt: Das Lebensmittelinstitut KIN e.V. untersucht und erprobt die zielgruppengerechten Erweiterungen der Qualifizierungsangebote. Das Berufsfortbildungswerks (bfw) stellt Qualifizierungsangebote zur Verfügung, die mittels Web 2.0-Plattform durchgeführt werden. Zusätzlich werden Kriterien für die Erfolgsmessung erarbeitet. Die reflact AG führt die technische Entwicklung und die Umsetzung der Plattform mit Einbezug von Web 2.0 Technologien durch.
Als weitere Beteiligte wirken die Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft (ZDS) e.V., die Food-Processing Initiative (FPI) e.V und die innowise GmbH mit.
Wie sieht die Beteiligung aus Sicht der Betriebe aus? Was wird von ihnen gefordert?
Das Unternehmen muss bereit sein, dass unter den Mitarbeitern zunächst eine Befragung zu Weiterbildungsbedarf sowie bisheriger Mediennutzung durchgeführt wird (die an das Unternehmen natürlich anonymisiert zurückgemeldet wird). Für die Zeit der Nutzung der Plattform im zweiten und dritten Jahr der Projektlaufzeit muss den Mitarbeitern eine gewisse Lernzeit zur Verfügung gestellt werden. Computer und eine Internetanbindung im Betrieb ist zwar wünschenswert, aber keine Voraussetzung.
Welche Kosten entstehen dem Betrieb?
Den Betrieben entstehen keine Kosten, jedoch für die Befragungen und Beteiligung der Mitarbeiter müssen Arbeitszeiten eingerechnet bzw. zur Verfügung gestellt werden. Wir gehen insgesamt davon aus, dass die Kosten für Weiterbildung bei gleich bleibendem oder optimiertem Angebot langfristig gesenkt werden können.
Wenn man sich als Betrieb für das Projekt interessiert, wie kann man teilnehmen?
Interessierte Betriebe können sich zum Beispiel über NEW.S e.V. über eine Beteiligung informieren – oder sich auch gerne an die anderen Projektpartner wenden. Besuchen Sie auch die FoodWeb 2.0-Plattform unter www.foodweb20.de
Das Team von NEW.S ist erreichbar unter 0211/ 310 77 36 -
oder per E-Mail: mail (_at_) ernaehrung-news.de